Start Schulwissen Frauen: Konsumverhalten und Altersvorsorge
05 | 09 | 2010
Hauptmenü
JoomlaWatch Stats 1.2.8b by Matej Koval




Jetzt gewinnen!
auxmoney - Kredite von Privat an Privat campaign
Experteer.de
Schlagzeilen


In Krisenzeiten sehnen sich die Deutschen offenbar nach Sicherheit: In der wöchentlichen Umfrage des Stern sowie des Fernsehsenders RTL erreichten Union und SPD ihre Jahresbestwerte, die kleinen Parteien verloren hingegen.

Frauen: Konsumverhalten und Altersvorsorge PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Henning Vöpel   

Frauen sind in ihrem Erwerbsleben gegenüber Männern von einem höheren Risiko der Altersarmut betroffen. Der Gesetzgeber hat sich zwar bemüht, durch eine Reihe von Maßnahmen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erhöhen. Doch diese Maßnahmen kommen für viele Frauen zu spät. Es droht für die Frauen im Alter ein Verlust an Einkommen und Freiraum - mit Folgen für die Gesellschaft.

Die für die späteren gesetzlichen Rentenansprüche maßgeblichen Rentenpunkte setzen sich zusammen aus der Anzahl der Erwerbsjahre und der Höhe des eigenen Bruttoeinkommens gegenüber dem Bruttodurchschnittseinkommen. Die Anzahl der insgesamt gesammelten Rentenpunkte multipliziert mit dem jeweiligen Rentenwert, der sich an dem jeweiligen Bruttodurchschnittseinkommen orientiert und demografische Entwicklungen einbezieht, ergibt die Bruttorente. Vor diesem Hintergrund lässt sich eine Reihe von frauenspezifischen Risikofaktoren für die gesetzliche Rente identifizieren. Davon betroffen sind nicht nur die Anzahl der beitragspflichtigen Erwerbsjahre, sondern auch Einkommenspfad und  Karriereverlauf. Dabei bestehen zwischen den Risikofaktoren komplexe Interdependenzen. So kann bereits eine geringere formale Qualifikation der Frau gegenüber ihrem Partner oder Ehemann aufgrund von Opportunitätskostenüberlegungen die Entscheidung bestimmen, wer von beiden die Hausarbeit erledigt und die Kinder erzieht: Verdient der Mann mehr, sind die Kosten der Kindererziehung für ihn höher als für die Frau.

Im Einzelnen sind die Risikofaktoren folgende:

Ausbildung: Für viele Generationen von Frauen – insbesondere ältere – stellen der formale Bildungsabschluss und die berufliche Ausbildung eine Schlechterstellung gegenüber Männern dar. Diese resultiert überwiegend noch aus einer  gesellschaftlich bestimmten Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen. So besitzen heute rund 19 % der Frauen und 24 % der Männer die Fachhochschul- oder Hochschulreife. Einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss haben 9 % der Frauen und 15 % der Männer. Insgesamt haben 66 % der Frauen und 77 % der Männer eine berufliche Ausbildung.

Kinder: Ein häufiger Grund für Unterbrechungen der Erwerbszeiten von Frauen sind die Geburt und die Erziehung von Kindern. Der Gesetzgeber hat versucht,  diesen Nachteil auszugleichen, indem die entsprechenden Erwerbsunterbrechungen auf die Rente angerechnet werden. Für Kinder, die vor dem 1.1.1992 geboren sind, erhält die Mutter für ein Jahr einen Rentenpunkt (dies entspricht einer Rentenanwartschaft in Höhe des durchschnittlichen  Bruttoeinkommens). Für Kinder, die am oder nach dem 1.1.1992 geboren sind, werden sogar drei Jahre pro Kind angerechnet. Dennoch tragen Frauen den überwiegenden Teil der ökonomischen Last, da im Anschluss an die Geburt und die Erziehung von Kindern die Karriere sich typischerweise nicht in gleicher Weise fortsetzen lässt wie im Vergleich zu Frauen ohne Kinder. Erziehungszeiten stellen auf dem Arbeitsmarkt einen Verlust an Berufserfahrung dar, Humankapital kann veralten und sich über die Zeit abschreiben.

Trennung: Frauen verrichten in Paarhaushalten nach wie vor deutlich mehr unbezahlte Arbeit als Männer. Entsprechend sind die Erwerbsquoten von Frauen deutlich geringer bzw. befinden sich Frauen häufiger in einer Teilzeitbeschäftigung. Dies gilt vor allem für Haushalte mit Kindern. Scheidungen stellen daher für Frauen ein gravierendes Rentenrisiko dar, wenn vormals einvernehmlich getroffene Haushaltsentscheidungen sich nach der Scheidung als eine Lastenverteilung zu Ungunsten der Frau erweisen.

Arbeitsmarkt: Aus den vorstehend genannten Risikofaktoren resultieren Nachteile für Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat berechnet, dass bei gleichem Beruf, Alter und Betrieb sowie bei gleicher Ausbildung Frauen beim Bruttostundenlohn immer noch 12 % weniger als Männer verdienen. Das geringere Durchschnittseinkommen von Frauen ist jedoch nicht zwingend Ausdruck von Diskriminierung am Arbeitsmarkt, sondern Folge oben genannter Risikofaktoren.

Als Folge dieser Faktoren zeigt sich, dass Frauen im Vergleich zu Männern deutlich geringere Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung beziehen (siehe Grafik). Daraus folgt gerade für Frauen eine erhebliche Versorgungslücke. Diese stellt den prozentualen Verlust des Alterseinkommens gegenüber dem Erwerbseinkommen dar. Die gesetzlichen Renten werden aufgrund der demografischen Entwicklung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten relativ zum durchschnittlichen Erwerbseinkommen sinken und die Versorgungslücke folglich steigen. Alternativ zum Konzept der Versorgungslücke können die  Einschränkungen im Alter anschaulicher durch das Konsumprofil abgebildet werden.

Durch Schätzungen von Einkommenselastizitäten in Bezug auf unterschiedliche Konsumkategorien zu verschiedenen Zeitpunkten des Lebensalters können Einkommens- und Alterseffekt in Bezug auf den Konsum simultan quantifiziert werden. Zu diesem Zweck hat das HWWI die Daten der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe vom Statistischen Bundesamt ausgewertet. Anhand von Einzelschätzungen für die betrachteten Konsumkategorien wurden zunächst die Residuen ermittelt. Als erklärende Variable gingen das Einkommen, die Bildung, das Alter und der Haushaltstyp ein. Die Residuen als nicht durch die genannten Variablen erklärter Rest lassen sich als Präferenzen interpretieren. Mit den Residuen aus den Einzelregressionen lassen sich mit Hilfe einer Clusteranalyse unterschiedliche Konsumtypen identifizieren, die ein jeweils charakteristisches und trennscharfes Konsumprofil aufweisen. Die Varianz zwischen den Clustern muss dabei möglichst groß und innerhalb eines Clusters möglichst klein sein. Die Konsumtypen unterscheiden sich nicht allein hinsichtlich ihrer Ausgabenprofile und Konsummuster, sondern auch in Bezug auf die Einkommenselastizitäten. Anhand der altersabhängigen Einkommenselastizitäten können umgekehrt die Konsumprofile und Konsummuster für unterschiedliche Lebensalter ermittelt werden. Je unelastischer die Ausgaben in bestimmten Kategorien auf  Einkommensänderungen reagieren, desto eher gehören diese zu den Grundbedürfnissen, wie zum Beispiel Wohnen oder Nahrungsmittel. Ausgaben für Reisen, Bildung, Gesundheit und Freizeit sind dagegen einkommenselastisch und werden bei sinkendem Einkommen stark reduziert. Gerade diese Kategorien aber bestimmen das Ausmaß der gesellschaftlichen Teilhabe auch im Alter.

Insbesondere Frauen der Baby-Boomer-Generation, die ab dem Jahr 2030 in Rente gehen, werden von niedrigen Renten und einem Verlust an gesellschaftlicher Teilhabe betroffen sein. Sie profitieren kaum noch von den familien- und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Sie tragen also eine doppelte Rentenlast: den demografischen Effekt einer alternden Gesellschaft und die noch unzureichende Gleichstellung bzw. mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf in weiten Teilen ihres Erwerbsleben. Der positive Effekt der stärkeren Integration der Frauen in das Erwerbsleben kann den negativen Effekt der demografischen Alterung der Gesellschaft derzeit noch nicht vollständig kompensieren.
(TN/HWWI-Henning Vöpel, 25.05.2009)

 
Jetzt kostenlos testen! CHIP FOTO-VIDEO digital! Hier klicken!
WIRKAUFENS - Der Elektronikankauf im Internet
Jetzt gewinnen!